Prinzipiell ist bei Bandscheibenvorfällen, Stenosen oder Instabilität der Halswirbelsäule zu unterscheiden, ob Symptome der cervikale Radiculopathie ( Wurzelsymptomatik) oder der cervikale Myelopathie ( Rückenmarkschädigung) im Vordergrund stehen.

Häufiger ist hierbei die Radiculopathie, die durch laterale Bandscheibenvorfälle und Stenosen der nervo foramina hervorgerufen wird.

Klinik:

- Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen
- Parästhesien

Die Beschwerden treten relativ akut auf( teilweise über Nacht), verstärken sich beim Husten, Niesen, Pressen oder beim Bewegen des Kopfes. Oft nehmen Patienten eine Schonhaltung ein, der Arm wird zur Entlastung nach oben gehalten. Verspannungen überlagern den Schmerz zusätzlich.
Es kann zu dermatogen bezogenen Sensibilitätsstörungen, Reflexschwächung, Paresen oder Atrophien der Muskel kommen. Allein durch die Klinik kann oft schon die Diagnose gestellt werden.

C4 - Syndrom
(selten)
Schulterschmerz, Sensibilitätsstörung im oberen Schulterbereich, evtl. Zwerchfellparese mit Zwerchfellhochstand durch Beteiligung des N. phrenicus, keine Reflexdifferenzen.
C5 - Syndrom Schmerzen im lateralen Oberarm, Sensibilitätsstörungen im Bereich des lat. Oberarmes, Parese des M. deltoideus ( Arm kann nicht mehr aus der Schulter heraus angehoben werden), Bizepssehnenreflex ist abgeschwächt.
C6 - Syndrom
(häufig)
Schmerzen und Sensibilitätsstörungen über Radialseite des Ober- und Unterarmes in den Daumen, Bizepsparese, Bizepssehnenreflex abgeschwächt.
C7 - Syndrom
(häufig)
Schmerzen im lateralen Oberarm und dorsalen Unterarm bis in die Finger 1-1V, Sensibilitätsstörungen im Zeige- und Mittelfinger, Tricepsparese, Tricepssehnenreflex abgeschwächt.
C8 - Syndrom Schmerzen im dorsalen Oberarm, ulnaren Unterarm bis in den kleinen Finger, Sensibilitätsstörungen im kleinen Finger, Paresen der kleinen Handmuskeln, evtl. Abschwächung des Tricepssehnenreflexes.

Therapie:

Foraminotomie: Erweiterung der Foramina intervertebralia
bei intraforaminalen oder lateralen Bandscheibenvorfällen über einen Schnitt von "hinten"
ventrale Disektomie: bei mediolateralen Bandscheibenvorfällen über einen Schnitt von "vorne"

Beim cervikalen Bandscheibenvorfall ist eine Foraminotomie nur bei lateralen Vorfällen möglich, da sonst das Rückenmark im Weg ist. (Lumbal sind dort nur noch Nerven zu finden die zur Seite geschoben werden können).
Es wird nicht die ganze Bandscheibe entfernt, sondern nur das Stück, das drückt.
Beim ventralen Zugang wird bei medialer Lage oder knöchernen Veränderungen die Bandscheibe Stück für Stück mikroskopisch abgetragen, bis Zugang zum Wirbelkanal besteht. Es werden dann 5-7 mm Titanplättchen von der Dicke/Höhe her angepaßt, Größe ( etwa Daumenkuppengroß ) und Form werden nicht verändert, und eingebracht. Sie haben eine löchrige Struktur, damit der Knochen etwas durchwachsen kann und werden deshalb nicht zusätzlich verschraubt oder fixiert. Zudem wird beim Einbringen des Plättchens die Wirbelsäule etwas überdehnt und gespreizt und durch eine Zähnung an der Oberfläche der Plättchen wird ein Abrutschen zusätzlich verhindert. Eine Röntgenkontrolle postoperativ erfolgt zur Sicherheit. Ein Verrutschen des Plättchens würde sich durch Schluckbeschwerden, Schmerzen und evtl. ein Fremdkörpergefühl bemerkbar machen.

Beschwerden und Vorgehen bei einer cervikalen Myelopathie:

Ursache ist eine Schädigung des Rückenmarkes durch akute ( Trauma, Massenvorfall ) oder chronische Kompression. Gründe für letzteres können sein: ein medialer Bandscheibenvorfall, Osteophyten ( Verknöcherungen ) oder eine Instabilität der Wirbelsäule durch z.B. Wirbelgleiten.

Klinik:

- die Patienten haben häufig keine signifikanten Schmerzen
- evtl. tritt ein chronisches Cervikalsyndrom mit Verspannungen des Nackens und der Schultermuskulatur auf.
- Dysästhesien, Hyposensibilität der Finger
- Greifschwäche
- Feinmotorikstörungen
- Gangunsicherheit durch Störung der Tiefensensibilität (also besonders auffällig, wenn der Patient mit geschlossenen Augen gehen soll)
- Sensibilitätsstörungen der Beine
- Reflexsteigerungen (z.B. Babinskireflex)
- Tonuserhöhung der unteren Extremitäten bis hin zum spastisch-ataktischen Gangbild
- Parese der unteren Extremitäten, spastische Paraparese
- Blasenentleerungsstörungen

Therapie:

ventrale Disektomie und Fusion
ventrale Korpoektomie und Fusion
dorsale Laminektomie/Semilaminektomie

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