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Hintere Schädelgrube: Höchste Gefahrenstufe!
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Anatomie:

Die hintere Schädelgrube wird von unten und von den Seiten vom Schädelknochen begrenzt und ist, durch eine Duraduplikatur, das Tentorium, überdacht (Tentorium = Zelt auf lateinisch). Nach oben hin ist nur der enge Spalt des sogenannten Tentoriumschlitzes offen und nach unten hin besteht die Öffnung aus dem Foramen Magnum. Hauptsächliche Inhalte der hinteren Schädelgrube sind der Hirnstamm, das Kleinhirn, die Hirnnerven und die Arterien des sogenannten hinteren Kreislaufes (vertebro-basiläres System). Alle Nervenfasern, welche Informationen zum Körper hin senden oder vom Körper Richtung Großhirn aufnehmen, müssen durch den schmalen Tentoriumschlitz und durch das enge Foramen Magnum. Sie sind im kleinfingerdicken Himstamm gebündelt. Bereits kleinste Schädigungen in diesem Bereich können zu erheblichen neurologischen Ausfällen führen.

In der hinteren Schädelgrube befindet sich auch der 4. Ventrikel mit seinen 3 Ausgängen, an denen der Liquor aus den Ventrikeln, den sogenannten inneren Liquorräumen, nach außen tritt und an äußeren Resorptionsflächen aufgesogen wird. Eine Raumforderung mit Abpressen des 4. Ventrikels resultiert in einem chronischen bzw. akuten Hydrocephalus occlusus (Verschlußhydrocephalus).

Komplikationen:

Allgemein gilt, daß sich krankhafte Prozesse in der hinteren Schädelgrube viel schlagartiger und unmittelbarer bemerkbar machen, weil es hier unmittelbar zum Druck auf den Hirnstamm kommt, welches das Atemzentrum mit beinhaltet. Daher ist die größte, unmittelbarste und lebensgefährlichste Komplikation der plötzliche Atemstillstand ohne vorausgehende warnende Symptome. Die Pupillen bleiben eng bei Raumforderungen in der hinteren Schädelgrube!

a) Präoperative Komplikationen:

Bereits vor der Operation sind die Patienten mit Raumforderung in der hinteren Schädelgrube gefährdet durch einen eventuell bestehenden Hydrocephalus occlusus oder direkten Druck auf den Hirnstamm.

b) Intraoperative Komplikationen:

Die meisten Patienten werden in der sitzenden Position operiert. Die Hauptgefahr besteht dabei in der Luftembolie, wo durch Sogwirkung im venösen System bei Eröffnung von Venen Luft angesaugt werden kann. Weiterhin bereitet es den Anästhesisten Schwierigkeiten, das nach unten in die Extremitäten versackende Blut mit daraus folgender Blutdruckerniedrigung in den Griff zu bekommen. Weiterhin kann es durch direkte Berührung des Hirnstamms zu direkten Störungen des Herz-Kreislaufs kommen.

c) Postoperative Komplikationen:

Wie bereits gesagt, besteht die Hauptgefahr in einem plötzlichen Atemstillstand ohne Vorwarnung. Weiterhin sind die Hirnnerven gefährdet. Bei Schädigung des 5. Hirnnerven (Trigeminus) kann es zu einer Unempfindlichkeit der Hornhaut kommen und dadurch fehlender Schutzreflexe mit Ausbildung von Hornhauttrübung. Ähnliches gilt bei der häufigeren Fazialisparese (7. Hirnnerv), wo das Auge nicht mehr geschlossen werden kann und austrocknen kann. Bei der Schädigung des 8. Hirnnerven (Hören und Gleichgewicht) kann es zu sehr unangenehmen Schwindelerscheinungen in der postoperativen Phase kommen. Bei Störung der sogenannten kaudalen Hirnnervengruppe (9., 10. und 12. Hirnnerv) kann es aufgrund entstehender Schluckstörungen zu Aspirationsgefahr kommen. Weitere Gefahren sind die postoperative Schwellung, Nachblutung, Liquorfistel bzw. Liquorkissen, aber auch eine Schädigung durch überschießende Blutversorgung in der Mikrozirkulation durch Wegnahme eines chronisch entstandenen Druckes, an welchen sich der Hirnstamm gewöhnt hatte. Durch diese Prozesse kann natürlich auch eine Liquorabflußbehinderung entstehen und ein Verschlußhydrocephalus sich ausbilden. Seltene Komplikationen sind Verschlüsse der Blutgefäße in diesem Bereich. Häufiger als an anderen Stellen am Kopf kommt es zu Wundheilungsstörungen. Es wird auch beschrieben, daß es zu Stoffwechselstörungen kommen kann und sich ein sogenanntes neurogenes Lungenödem ausbilden kann.

Zusammenfassung:

Die hintere Schädelgrube ist ein kompliziertes Gebilde, welches lebenswichtige sehr empfindliche Strukturen beinhaltet. Die postoperativen Komplikationen bestehen hauptsächlich in der Gefahr eines plötzlichen Atemstillstandes, Störung der Hirnnerven, Entstehung eines Verschlußhydrocephalus und Wundheilungsstörungen.

 

Komplikationen in der hinteren Schädelgrube
präoperativ: Hydrocephalus
Hirnnervenausfälle
Druck auf Hirnstamm
intraoperativ: Luftembolie
Blutdruckprobleme
Herz-Kreislaufstörung
postoperativ: ATEMSTILLSTAND Vigilanzstörungen
Hirnnervenstörungen (Hornhautulzera, Schluckstörung, Schwindel)
Pneumocephalus (Lufteinschlüsse)
Hydrocephalus
Schwellung
Nachblutung
Liquorfistel
Liquorkissen
Wundheilungsstörung
vegetative Störungen
Stoffwechselstörungen
neurogenes Lungenödem

 

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